THE GARDEN OF DREAMS/April 2014

THE GARDEN OF DREAMS
NIGAR HASIB UND SHAMAL AMIN
LALISH THEATERLABOR


mein wesen, das wesentliche in mir, meine seele
- wie auch immer ich es bezeichnen möchte -
war heute abend eine gute halbe stunde
im 'garden of dreams' von nigar und shamal
lust-wandeln.
lust.
wandel.
schon beim betreten des sanft erhellten raumes
empfängt nigars leiser und doch so intensiver gesang
voll von poesie ohne worte jede meiner zellen.
nigars präsenz erfüllt den ganzen raum mit zeitlosigkeit.

Ich:
geborgen in dieser zeitlosigkeit.

Sie:
wie eine priesterin der ewigkeit
steht sie still und stolzlos stolz in schwarz und rot
barfuss.
eine metallenen schale in den händen.
töne strömen unentwegt aus ihr heraus.
flüssig.
der raum.
ich tauche ein.
shamal im hintergrund,
meist sitzend, dienend, struktur gebend
trägt das geschehen mit seinen klaren, präzisen und natürlich fließenden gesten.
shamals und nigars präsenz:
ein ewiger tanz von yin und yang.
shamals sprechgesang
webt sich wissend in nigars tönenden teppich.
ewige magische muster.
geschichten ohne geschichte.

in mir
das gefühl:

die körpergrenzen verschwinden.

nackt und formlos sitze ich da und lausche.
und schaue.
manchmal lausche ich mit geschlossenen augen.
die ichstruktur löst sich auf.
das denken ruht.

stille.

in mir.

folge nigars einladung

in entfernte und doch so vertraute landschaften meiner seelenwelt.
gehe mit nigar und ihrer stimme auf die reise,
lasse zu,
dass alle meine zellen sanft, manchmal auch heftig
zu schwingen beginnen
und einen archaischen tanz des ewigen seins im jetzt tanzen.
nigars emotional geladene stimme öffnet auch unbekannte räume in mir,
eine geheimnisvolle ordnung,
eine kosmische ordnung teilt sich mir durch nigars gesang mit.
es ist eine vertraute ordnung.
ich er-inner-e mich.
komme an.
bei mir.
weit ausgebreitet die schwingen meiner seele ,
die flugrichtung gibt nigars stimme an, die aus dem nichts zu kommen scheint.
so verbunden mit dem DÀO.
ich er-inner-e mich.
Freudig.
die rituellen handlungen
mit metallstiften, großen metallschrauben und metallischem besteck
– löffel, gabeln und messer –
regen meinen verstand erstaunlicherweise zu keinerlei interpretation an.
die metallenen gegenstände,
erst in einer metallenen schüssel,
von shamal überreicht,
von nigar getragen,
von einer ihrer hände im genau stimmigen rhythmus
aus der schale geschöpft,
genommen,
der luft übergeben,
zu boden gestreut.
scheinbar wahllos, dem zufall überlassen.
und doch findet jedes einzelne objekt genau den ihm entsprechenen platz,
wo es zu liegen kommt.

magie der objekte im rituellen kontext.

alles schwingt, ist lebendig.
im kollektiv mit den anderen metallischen objekten.
von kleine metallischen stäben
über große, lange schrauben zu essenswerkzeugen:
löffeln, gabeln, messer.
in 'the garden of dreams' wachsen auch früchte.
aus der welt des formlosen der weg zum hörbaren, sichtbaren:
'the garden of dreams'.
die früchte sind in mir,
ich wachse in 'the garden of dreams'
weiter zu meinem authentischen sein heran,
labe mich lustvoll an ihrem köstlichen geschmack,
der durch die zellwände nach außen in den garten der träume duftet.
bin selbst eine frucht.
und dufte.
mein sein schwingt in nigars gesang hinein,
nigars gesang vermählt sich mit meinem sein.
lustvolle verwandlung geschieht.
von moment zu moment.

so viele farben in der stimme …

so viele gefühlsfarben in den zellen …
drei metallschalen mit farbigem pulver
- rot, gelb und dunkelblau -

stehen auf dem boden.

vor dem großen rechteckigen weißen tuch auf dem boden.
sind einfach da.
eine aktion mit wasser aus einer metallschale – nigar schöpft aus dem vollen,
über den erhobenen nackten rechten arm
rinnt es erfrischend und lustvoll zum rumpf hin.
auf den boden.
jeder fluß strömit ins meer.
wird wieder eins mit dem ganzen.
ist immer eins mit dem DÀO.
weißes pulver leert shamal aus einer metallschüssel
auf den boden,
ein weißer kegel entsteht,
perfekte form.
nigar glättet ihn und flacht ihn mit ihren unterarmen ab.
weißes hochland.
shamal erwartet nigar mit einem quadratischen orangefarbenen seidentuch,
welches sich nigar über den kopf stülpt.
ein frauenkörper gekrönt durch eine orangerote sonne
schreitet über eine schmale weiße stoffbahn.
und singt.
durch das tuch durch.
nigar durchschreitet den raum,
umkreist die weiße, rechteckige tuchfläche im zentrum des raums zyklisch,
richtet körper, gesten, blick und stimme auf uns zusehende und zuhörende,
im kreis,
taucht ein in unsere energiefelder,

ich tauche ein in ihr energiefeld.

lustvoll.
still.
ein gemeinsames energiefeld
wächst wie eine köstliche magische frucht in diesem 'garden of dreams'.
und zugleich
reift eine individuelle archaische frucht in meinem inneren 'garden of dreams'.
nigars stimme ist das wachstumshormon,
das dieses gedeihen ermöglicht.
tiefe ruhe breitet sich in mir aus.
ein gut geerdetes schweben.
a butterfly in my garden of dreams.
endlose, grenzenlose weite.
es ist ein aufwachen.
so leicht, so frei, so da.

METAMORPHOSE.

DANKE NIGAR, DANKE SHAMAL!

ganz persönliche erlebnisse in 'the garden of dreams'von anita calzadilla.
schauspielerin, regisseurin, QI GONG-tänzerin auf dem lebensseil

wien, samstag, 5. april 2014