German & English
Lalish Theaterlabor
Forschungszentrum für Theater und Performance-Kultur
im herkömmlichen Sinn dieses Wortes machen,
sondern wir unternehmen eine Reise.
Diese Reise ist ein Prozess der Selbsterkenntnis,
der Selbstäußerung in einem feierlichen Akt“
Shamal Amin
Eigene Wege, Performance und Forschungsziele
„Der Weg unserer Laborarbeit führt zur Entdeckung einer neuen Verbindung aus Stimme, Bewegung und dem Leben als ganzes. Die Aufhebung der Trennung zwischen Kunst und Leben, zwischen den ästhetischen und alltäglichen Werturteilen, ist ein entscheidender Faktor für alle unsere Forschungsprojekte “
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Von 2000-2003 widmete sich die Forschungsarbeit des Lalish Theaterlabors dem Konzept "Aufbruch zur Quelle der Feierlichkeit" und dem Prozess "Kreativ-Natur".
Impliziert in die Forschungsarbeit sind Fragen wie: "Wie entstehen ein ritueller Rahmen, der die Wahrnehmung der Zuschauer lenkt und eine körperliche Einheit, die einen ‚Anwesenden Körper in Raum und Zeit‘ schafft?", und auch die Entwicklung von Techniken, die Zugänge zu solchen Potentialen schaffen.
Die rituellen, experimentellen Stimm- und Gesangstechniken und selbst komponierten Lieder dieser Phase, bildeten einen wesentlichen und zentralen Aspekt der Forschungsarbeit des Lalish Theaterlabors. Diese Stimm- und Gesangstechniken wurden im Bezug auf die jeweilige Forschungsarbeit verändert, bewegten sich aber stets in einem Rahmen grundlegender Prinzipien.
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Mit dem Forschungsprojekt 2006 - 2008 „no shadow“, und der Weitererforschung der „Lieder als Quelle“, widmet sich das Lalish Theaterlabor, in Performance, der heute weitgehend vergessenen archäologischen Suche nach der menschlichen Stimme, nach ihrer Wirkung und ihren individuellen und kulturellen Ursprung.
„Wir schaffen einen fließenden Raum, in dem die Stimme und Lieder zu Lust werden. Die Stimme ist einer Handlung ähnlich,mit der man immer etwas Neues weiter entdecken kann.“
Diese neue, nicht-linguistische Sprache der Performancearbeit des Lalish Theaterlabors, unterscheidet sich deshalb grundlegend von den heutigen, sogenannten künstlerischen Sprachen des vorherrschenden Welttheaters, die sich konventionell mit Dingen, Gegenständen, Geschichten und Repräsentation auseinandersetzen.
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Shamal Amin und Nigar Hasib versuchen immer einen leeren Raum zu schaffen, der durch Stimme und Bewegung erfüllt wird. Ein Raum, in dem die Umgebung zu einem „Überall und Nirgends“ – zu einem Ritualort wird und die Zeit sich in ein „Immer und Nie“ – in eine Ritualzeit verwandelt.
Nigar Hasib beschreibt diesen Prozess: „Lieder schaffen unsere Handlungen aber unsere Handlungen interpretieren nicht lexikalisch unsere Lieder. Somit hat jedes Lied, jede Stimmaktion, in ihrer Art, eine präzise Bewegungspartitur für den Körper. Der Körper handelt unmittelbar mit dem ‚Leben der Töne’, und sein Tun bleibt nicht nur rein technisch, sondern wird organisch. Bei dieser Art zu Handeln wird der Körper nicht ein Teil der Stimme, und die Stimme nicht ein Teil des Körpers, sondern Stimme und Körper bilden eine Einheit, weil eben diese Einheit die Quelle der Äußerung ist.“
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Auf diesem Weg konnte das Lalish Theaterlabor die Grundstruktur des westlichen Theaterkonzepts aufheben und sein eigenes Konzept entwickeln. Die Ablehnung der „Autorenschaft“ und die Dekonstruierung der Begriffe wie „Regisseur“, „Schauspieler“ und „Aufführung“ gelten als Übergang zur Entwicklung neuer Wege der Performancearbeit. Die Begrifflichkeiten des Lalish Theaterlabors wie „Teilnehmender Beobachter“, „Feiernde“, „Performative Treffen“, anstatt „Regisseur“, „Schauspieler“, „Aufführung“, sind keine linguistischen Wechselspiele, sondern mit der Arbeitsstruktur und dem Forschungsprozess eng verbundene Ausdrücke.
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Performance und Forschungsprojekte des Lalish Theaterlabors
in Österreich, Gastspiele und Teilnahme an Internationale Festivals
1998 „Paradise Now Revised“ in Österreich, Deutschland, Großbritannien.
1999 „Memory + Honig“ und „Lieder, Leiden, Rausch“ in Österreich, Schweiz, Frankreich, Großbritannien.
2000 „…dass ich es mit dem Körper singe“ und „Karawane“ in Österreich, Deutschland.
2002 „Sonnentanz“ in Österreich, Japan, Holland.
2003 „… wo Milch und Honig fließen“ in Österreich.
2004 „Land der Asche und Lieder“ in Österreich, Ägypten, Japan.
2005 Segmente von “the beginning of speech” in Polen.
2005 „The Beginning of Speech“ Version I und II in Österreich, Polen, Ägypten, Tunesien.
2006 “The Beginning of Speech” Version III in Österreich, Japan, Griechenland.
2006 Segmente von "no shadow" in Griechenland.
2006 “no shadow I” in Österreich.
2006 "projekt: niederhof" Phase 1-4 in Österreich.
2007 "no shadow II" in Österreich, Kosovo, Ukraine.
2007 "projekt: niederhof" Phase 5-8 in Österreich.
2007 "mythos" Entwicklung verschiedener Aktionen in Iran.
2007 "projekt: niederhof" Performance in der Natur in Österreich.
2008 "drei brücken" part I in Ukraine, part II in Iran, part III in Kosovo, part IV in Österreich.
2008 "no shadow" last version in Ägypten.
2009 Segmente von "the beginning of speech" in Polen.
2009 "the song is back" iranische Version in Iran.
2009 "no shadow" last version in Polen, Bosnien Herzogovina, Bulgarien.
2009 Segmente von "no shadow" in Griechenland.
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Ziel des Lalish Theaterlabors ist ein transkultureller Austausch und die Schöpfung eines "Anwesenden Körpers in Raum und Zeit" durch die Erforschung der Körper- und Stimmtechniken nordmesopotamischer, ost- und südostanatolischer Performance-Kultur, sowie westlicher Performance-Kultur/Kunst, um neue Performancewege zu ermöglichen. Dabei handelt es sich aber nicht um die Suche nach einer bestimmten Identität des Individuums, sondern nach dessen verschiedenen Identitäten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ritualisierung der Kritik in dieser globalisierten Zeit und die Weiterentwicklung ritueller Grundelemente in der Performancearbeit. Dies nicht nur in bezug auf den Gebrauch dieser Elemente als Instrumente für den Kontakt und die Kommunikation, sondern als Versuch, das erstarrte Konzept und den maschinellen Rationalismus des Zentralismus zu überschreiten und zu dekonstruieren.
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"Wir schaffen keinen heiligen Raum, wir wollen zusammen hier und jetzt feiern"
Shamal Amin
In Bezug auf diese Methode wird den Raum im Lalish Theaterlabor gestaltet, in dem alle Anwesenden sich befinden. Es gibt keine Trennlinien zwischen den Anwesenden (PerformerInnen und ZuschauerInnen), der ganze Raum ist Aktionsraum. Diese Raumausstattung betont, dass es kein Wir/Andere, kein Hier/Dort, Drinnen/Draußen gibt, sondern nur Wir im Hier und Jetzt, und so wird eine aktive Interaktion hervorgerufen.
Ein Raum, der keine Geheimnisse bewahren kann, ihn kann keiner für sich allein beanspruchen. Jeder ist anwesend, hier wird nichts versteckt, alles geschieht vor den Augen der Zuschauer. Hier bleibt keiner ausgeschlossen.
Anhand dieser Raumstruktur entwickelt sich auch andere Körperhaltungen und Geste, sowei andere Stimmtechniken und Töne bei den PerformerInnen, somit betrifft diese Kreisstartegie nicht nur die Anordnung des Publikums im Kreis, sondern auch die gesamte Performance und ihrer Techniken.
Als wichtige Voraussetzung zum Übergang zu den Lalish Theaterlabor Projekten erweist sich die Kreistechnik als Strategie des Energieaustausches, des anwesenden Körpers in Raum und Zeit, und anderer Formen der Kommunikation.
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Die Lalish Forschungsprojekte wurden in Kurdistan, Irak, Iran, Ägypten, Tunesien, Österreich, Deutschland, Holland, England, Frankreich, Schweiz, Schweden, Dänemark, Polen, Griechenland, Kosovo, Ukraine und Japan durchgeführt und von verschiedenen Institutionen, internationalen KünstlerInnen, TheaterwissenschaftlerInnen und EthnologInnen als ein neuer Weg zur Performancearbeit und zum experimentellen Ritualisierungsprozess betrachtet.
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“We don’t want to make theatre in the usual sense
of the word, but we embark on a voyage.
And this voyage is a process of self-awareness
and of self-expression in a solemn act.”
Special Ways, Performances and Research Objectives
“The path of our laboratory work leads to the discovery of a new fusion of voice,
movement and life as a whole. The dissolution of the separation between art and life,
between aesthetics and common values, is a decisive factor in our research projects.”
Shamal Amin and Nigar Hasib
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After the experimental research project “The Culture-Physical Concept”, which was conducted in various countries in the Near East from 1985 until 1991 and “Exploration of Performative Culture and its Techniques”, from 1992 until 1999 in Europe, Shamal Amin and Nigar Hasib, two extraordinary artists hailing from Kurdistan, founded the “Lalish Theaterlabor” (“Lalish Theatre laboratory”) in Vienna, Austria. This experimental center for research in ritual and intercultural performance work ultimately serves to explore the “Present Body in Space and Time” and the “Source of Solemnity”.
In June of 2000 they opened their own center (“theatre-space”). A space to discover ritualistic body elements, in order to create an energetic body instead of a motorial one and to proceed with the experimental research of the processes of solemnity and ritualizing. A place where, together with their ensemble, their fellow researchers and members of a variety of different cultures, they could explore the many questions posed. The theatre-space of the Lalish Theaterlabor was rebuilt and renovated with the financial support of the Kulturamt der Stadt Wien.
“…that the multidimensionality of the space is perceived through feeling and hearing the voices, tones and sounds, so that a feeling of space and spatial awareness can develop amongst those present.”
Nigar Hasib and Shamal Amin seek to discover an original, intermediate and artistic language, outside of the conventional linguistic symbolism. This new, non-linguistic language consists of syllables, sounds, tones and possibly still other vocal expressions, stemming from various different cultures. All this leads to a new way of communication in performance.
Shamal Amin aptly named this new phase in the work of the Lalish Theaterlabor the “Awakening of the Abstract Solemnity”:
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In the above-described way, the Lalish Theaterlabor for itself was able to suspend the basic structure of a common western theatre concept and developed its own instead. The rejection of “Authorship” and the deconstruction of conceptions such as “Director”, “Actor/Actress”, “Show/Performance” serves as a transition to the development of new ways of performance work. The terminology of the Lalish Theaterlabor, such as “Participating Observer”, “Celebrants”, “Performative Gathering” as opposed to “Director”, “Actor”, “Show”, is not a linguistic interplay, but is in actual accordance with the structure of the theatre lab’s work and its research processes.
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The aim of the Lalish Theaterlabor is a transcultural exchange and the creation of a “Present Body in Space and Time”, by exploring body- and voice techniques of East- and North-Anatolian performance culture, as well as western performance - culture and art, in order to allow for new ways of performing.
This however is not a search for one certain identity of the individual, but for all of its different identities. Another point of emphasis is the ritualizing of criticism in these globalized times and the further development of basic ritualistic elements in performance work. These elements are to be seen not only as instruments of contact and of communication, but also embody an attempt to deconstruct and surpass the rigid concepts of the mechanized rationalism of centralism.
Performances and Research-projects of the Lalish Theaterlabor
1999 “Memory + Honey” and “Songs, Suffering, Ecstasy” in
2000 “...that I may sing it with the body” and “Caravan”, in
2001 “The Gilgamesh Epic/Thus Spoke Zarathustra, thus Speaks Gilgamesh” and “Wheat-Dance” in
2002 “Sundance” in
2003 “Where Milk and Honey flow” in
2004 “Land of Ashes and Songs” in
2005 Segments of “the beginning of speech” in Poland.
2005 “The Beginning of Speech” Version I and II in
2006 “The Beginning of Speech” Version III in
2006 Segments of "no shadow" in Greece.
2006 “no shadow I” in
2006 "projekt: niederhof" Phase 1-4 in Austria.
2007 "no shadow II" in Austria, Kosovo, Ukraine.
2007 "projekt: niederhof" phase 5-8 in Austria.
2007 "mythos" develop of different actions in Iran.
2007 "projekt: niederhof" performance in the nature in Austria.
2007 “no shadow II” in
2008 "three bridges" part I in Ukraine, part II in Iran, part II in Kosovo, part IV in Austria.
2008 "no shadow" last version in Egypt.
2009 Segments of "the beginning of speech" in Poland.
2009 "the song is back" iranian version in Iran.
2009